Erkrankungen der langen Bizepssehne werden häufig übersehen, da sie in den üblichen diagnostischen Mitteln wie der Sonographie und dem MRT nicht genau dargestellt werden können. Über eine genaue Anamnese und spezielle Untersuchungstechniken kann sich ein erster Verdacht erhärten. Durch die dynamische Ultraschalluntersuchung können Instabilitäten der langen Bizepssehne dargestellt werden. Des Weiteren ermöglicht ein Arthro-MRT, bei dem ein magnetisches Kontrastmittel unmittelbar in die Schulter gespritzt wird, eine verbesserte Darstellung des Gelenkbinnenraumes und vor allem auch der langen Bizepssehne in der Kernspintomographie.

 

Anatomie

 

Der Bizepsmuskel hat zwei sehnige Ursprünge. Die lange Sehne hat ihren Ursprung am oberen Pfannenrand und der dort befindlichen Knorpellippe, dem Labrum glenoidale. Die kurze Bizepssehne entspringt dem Processus coracoideus, der auch Rabenschnabelfortsatz genannt wird. Die lange Bizepssehne zieht vom oberen Pfannenrand quer durch das Schultergelenk hindurch und über den Oberarmkopf hinweg. Durch den langen Verlauf innerhalb des Gelenks und die starke Biegung beim Übertritt in den Sulcus intertubercularis, ist die lange Bizepssehne großen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Dies führt nicht selten zu einem vorzeitigem Verschleiß oder bei Überlastung zu lokalen Entzündungen der Sehne. Neben Entzündungen spielen vor allem die verschleißbedingten teil- oder vollständigen Risse eine große Rolle.

 

Pully -Läsion

 

Die lange Bizeps-Sehne verläuft in einem Kanal des Sulcus intertubercularis, sie wird durch eine zirkulär um die Sehne laufende Bandstruktur, dem sogenannten Pulley-System gehalten. Auch hier können Verschleiß und Verletzungen zu Beschwerden führen. Insbesondere die Pulley-Läsionen, mit einer daraus resultierenden Instabilität der langen Bizepssehne, führen nicht selten zu langanhaltenden Beschwerden der Patienten.

 

Therapeutisch gibt es leider nicht viele Optionen. Da die Schlinge des Pulley Systems sehr filigran ist, haben sich die meisten Versuche diese nach einer Zerreißung wieder zu rekonstruieren als frustran herausgestellt. Oftmals hatten die Patienten nach einer Rekonstruktion mehr Beschwerden als zuvor. Aus diesem Grund hat sich bei einer Instabilitätssituation der langen Bizepssehne die Durchtrennung der Sehne als erfolgversprechende Therapie etabliert.

 

Ein Kratfverlust des Arm resultiert in der Regel nicht. Da der Bizeps, wie der Name es vermuten lässt, aus zwei Anteilen besteht, dem kurzen und dem langen Anteil, übernimmt nach einer Durchtrennung der langen Bizepssehne, der kurze Anteil weiterhin die Funktion. Der Kraftverlust der sich hierdurch ergibt war in vielen Studien fast nicht messbar.

 

SLAP- Läsion

 

Pathologien im Ursprungbereich der langen Bizepssehne, führen oftmals zu einer Mitbeteiligung der oberen Gelenklippe (Labrum glenoidale). Sie werden unter den sogenannten SLAP- Läsion zusammengefasst.

 

Die Therapie der SLAP-Läsion erfordert ein differenziertes Vorgehen in Abhängigkeit vom Typ der Läsion Im Allgemeinen werden SLAP-Läsionen vom Typ I und III debridiert, d.h. loses Gewebe wird entfernt, so dass nichts in der Schulter einklemmen kann. Läsionen vom Typ II und IV werden mit Nahtankertechniken versorgt, d.h. die abgerissenen Anteile werden arthroskopisch wieder angenäht.

 

Ruptur der langen Bizepssehne

 

Bei größerer Krafteinwirkung kann es dazu kommen, dass eine vorgeschädigte lange Bizepssehne plötzlich abreißt. Da die Sehne dann herunterrutscht, zieht sich der Muskel am Oberarm zusammen. Dies bewirkt ein deutliches hervortreten des Muskelbauches. Diese Situation ist meist nur optisch anfänglich ein Problem. Im Laufe der Zeit wird die sichtbare Schwellung weniger. Ein merklicher Kraftverlust ergibt sich meist nicht, so dass die Therapie des akuten langen Bizepssehnenrisses aus zuwarten besteht. Beim jungen aktiven Sportler besteht als Alternative zur Durchtrennung die Tenodese, in der die Bizepssehne im Sulcus intertubercularis arthroskopisch mit einem Anker fixiert wird.

 

Konservative Therapie

 

Steht erst mal die korrekte die Diagnose einer Erkrankung der langen

Bizepssehne, kann versucht werden über Krankengymnastik, Tabletten und

eventuell eine oder zwei Injektionen die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Länger als insgesamt etwa drei Monate sollte man aber nicht zuwarten.

 

Operative Therapie

 

Oftmals  sind strukturelle Schäden der Sehne oder die im Rahmen von Pulley-Läsionen auftretende Instabilität verantwortlich für die Beschwerden. Leider bleibt in diesen Fällen die konservative Therapie meist den Erfolg schuldig, so dass weiteres Zuwarten aussichtslos und für die Patienten häufig frustran endet. Aus diesem Grund sollte eher frühzeitig eine operative Sanierung in Betracht

gezogen werden. Insbesondere wenn durch die Instabilität der langen Bizepssehne die benachbarten Sehnen des Subscapularis oder Supraspinatus gereizt bzw. sogar geschädigt werden ist es höchste Zeit, die Indikation zur operativen Versorgung zu stellen. Ansonsten besteht die Gefahr eines schwerwiegenden weiteren Sehnenrisses.